Vielleicht denkst du beim Wort Kreativität zuerst an Menschen, die mühelos zeichnen, Geschichten schreiben oder schöne Dinge gestalten. Auf deinem Tisch liegt dagegen nur ein Stift neben einem Einkaufszettel. Wo soll da eine Idee herkommen?
Genau dort können wir anfangen. Für diesen kleinen Versuch brauchst du keinen besonderen Einfall. Du nimmst etwas Vertrautes und schaust, woran es dich noch erinnert. Es entsteht kein Test, den du bestehen musst. Nur ein kurzer Moment, in dem eine andere Möglichkeit Platz bekommt.
Du brauchst kein fertiges Bild im Kopf
Such dir einen ungefährlichen Gegenstand, der ohnehin in deiner Nähe liegt: einen glatten Stein, einen Löffel oder einen Knopf. Dazu reichen die Rückseite eines gebrauchten Blattes und ein Stift. Es geht zunächst um die Form, nicht um eine naturgetreue Zeichnung.
Ein ovaler Stein kann dich an ein Blatt, ein Boot von oben oder einen Fisch erinnern. Keine dieser Ideen muss besonders originell sein. Du kannst auch nur die drei Wörter aufschreiben. Deine Vorstellung muss auf dem Papier nicht genauso aussehen wie in deinem Kopf.
Ein Gegenstand, drei Möglichkeiten
Lege den Gegenstand vor dich und betrachte ihn kurz. Ist er rund, lang, kantig oder gebogen? Wähle ein Merkmal. Zeichne diese einfache Grundform dreimal auf dein Blatt, mit etwas Abstand dazwischen.
Ergänze die erste Form so, wie es dir spontan einfällt. Aus einem Oval wird mit einer Linie ein Blatt. Bei der zweiten Form probierst du eine andere Richtung: Vielleicht wird mit zwei Strichen ein Boot daraus. Beim dritten Oval kommen eine Schwanzflosse und ein Punkt dazu. Mehr braucht dein Fisch nicht.
Du musst weder radieren noch Einzelheiten ergänzen. Wenn du lieber schreibst, gib jeder Form eine kleine Rolle: ein Blatt im Wind, ein Boot auf einem See, ein Fisch auf Entdeckungstour. Die drei Möglichkeiten dürfen nebeneinander stehen, ohne dass du eine Gewinnerin auswählst.
Wenn dir nur eine Idee einfällt
Dann bleib bei dieser einen. Die Zahl drei ist eine Einladung zum Variieren, keine Vorgabe für einen gelungenen Versuch. Du kannst dein Blatt drehen, die Form vergrößern oder einen anderen Gegenstand nehmen.
Hilfreich kann eine konkrete Frage sein: Was würde daraus, wenn es ganz winzig wäre? Oder: Wo könnte ich diese Form draußen entdecken? Wenn dich die Fragen eher anstrengen, leg den Stift weg. Eine kreative Pause darf auch eine Pause bleiben.
Du brauchst dich nicht als kreativen oder unkreativen Menschen einzuordnen. Für heute reicht die Beobachtung: Diese Variante hat mir Spaß gemacht, diese weniger. Beim nächsten Mal kann es anders sein.
Was du mit deinem kleinen Versuch machen kannst
Vielleicht gefällt dir eine Skizze und du möchtest sie ausschneiden, auf eine Karte kleben oder als Anfang für eine kurze Geschichte nehmen. Vielleicht landet das Blatt im Altpapier. Beides ist in Ordnung. Der Versuch muss kein Geschenk, kein Beitrag für soziale Medien und kein neues Hobby werden.
Wenn du gern weitermachen möchtest, lege dir ein kleines Ideenfach an. Darin dürfen unfertige Zeichnungen und einzelne Wörter liegen. Wähle später etwas daraus aus, wenn du Lust hast. Eine Sammlung ist ein Angebot an dich, keine Liste unerledigter Projekte.
Du kannst auch jemanden einladen, dieselbe Form anders zu ergänzen. Schaut euch anschließend an, wie verschieden die Ideen geworden sind. Dabei geht es ums Entdecken, nicht darum, wer besser zeichnen kann.
Ein freundlicher Satz für deinen Anfang
Vielleicht meldet sich beim ersten Strich der Gedanke: „Das sieht doch nach nichts aus.“ Du musst ihn nicht wegdiskutieren. Ein schlichter Begleitsatz kann dir ausdrücken, was du dir bei diesem Versuch erlauben möchtest: „Ich darf ausprobieren, ohne etwas vorzeigen zu müssen.“
Wenn das noch zu groß klingt, reicht: „Ich schaue einmal, was aus dieser Linie wird.“ Wähle Worte, die du selbst mittragen kannst. Im Beitrag Eigene Affirmationen formulieren findest du weitere Anregungen dafür.
Vielleicht möchtest du anschließend noch einen gewöhnlichen Moment genauer anschauen. Unser Artikel über kleine Alltagsfreuden lädt dazu ein, im Vertrauten etwas Angenehmes zu bemerken. Heute darf dafür schon dein etwas schiefer Fisch genügen.
Dein Impuls zum Mitnehmen
Welcher gewöhnliche Gegenstand könnte heute der Anfang von drei ganz unterschiedlichen Ideen sein?
„Ich darf mit einer Idee spielen, bevor ich weiß, was daraus wird.“
