Du schlägst ein Heft auf und weißt nicht, was du schreiben sollst. Vielleicht war der Tag voll, vielleicht sind deine Gedanken noch ungeordnet. Statt nach einem guten ersten Satz zu suchen, kannst du mit einer Form beginnen.
Journaling ohne Worte ist hier ein freier kreativer Rückblick. Es geht nicht darum, aus Bildern etwas über deine Persönlichkeit zu diagnostizieren oder ein vorzeigbares Kunstwerk zu schaffen.
Ein vorhandener Stift reicht
Du brauchst kein besonderes Material. Ein Kugelschreiber und ein Blatt Papier genügen für Linien, Punkte oder kleine Flächen. Wenn du Farben zu Hause hast, kannst du sie dazunehmen.
Lege vorher eine überschaubare Zeit fest, vielleicht fünf Minuten. Du kannst länger bleiben, musst aber weder eine Seite füllen noch eine bestimmte Stimmung erreichen.
Eine eigene Bildsprache finden
Eine ruhige Linie könnte für einen stillen Moment stehen, eine dichte Fläche für einen vollen Nachmittag. Diese Bedeutungen legst du selbst fest. Rot muss nicht Ärger und Blau muss nicht Ruhe bedeuten.
Vielleicht möchtest du überhaupt nichts zuordnen, sondern nur schauen, welche Bewegung dir gerade liegt. Auch das ist möglich. Eine Zeichnung muss nicht entschlüsselt werden, um für dich interessant zu sein.
Drei Momente auf einem Blatt
Teile das Blatt locker in drei Bereiche: Anfang, Mitte und Ende des Tages. Gib jedem Bereich eine Linie, ein Muster oder eine Farbe. Du kannst einen Bereich leer lassen.
Schau danach einen Augenblick auf die Unterschiede. Was fällt dir auf? Wenn du möchtest, ergänze ein einziges Wort. Du darfst das Blatt auch ohne Erklärung schließen. Niemand muss daraus eine nachvollziehbare Tagesgeschichte lesen können.
Wenn du dein Ergebnis bewertest
Vielleicht denkst du sofort, dass die Zeichnung kindisch oder unordentlich aussieht. Erinnere dich an den Zweck: Du wolltest einen Eindruck festhalten, keine Fertigkeit beweisen.
Du kannst die Fläche kleiner machen oder mit geschlossenen Formen beginnen, wenn das den Einstieg erleichtert. Lass Vergleiche mit schönen Journalseiten anderer Menschen für diesen Versuch beiseite.
Aufbewahren ist eine Möglichkeit
Du kannst die Blätter sammeln und später ansehen. Du kannst einen Versuch aber auch weglegen oder entsorgen. Es gibt keine Pflicht zur lückenlosen Dokumentation deiner Gefühle.
Wenn du lieber mit Sprache beginnst, findest du im Beitrag Journaling für Anfänger einfache Schreibfragen. Beide Formen dürfen sich abwechseln, je nachdem, was heute zu dir passt.
Dein Impuls zum Mitnehmen
Welche Linie oder Farbe würdest du deinem heutigen Tag geben?
„Meine Eindrücke dürfen eine Form bekommen, bevor ich Worte dafür habe.“
