„Lies sie nicht nur, fühle sie.“ Vielleicht kennst du diese Aufforderung aus dem Reel. Sie kann dazu einladen, kurz bei einem Satz zu bleiben. Sie kann aber auch zur nächsten Aufgabe werden: Jetzt müsste ich unbedingt etwas spüren.
Du darfst die Einladung sanfter verstehen. Es geht darum, was die Worte für dich bedeuten. Ein ruhiges Wiedererkennen ist ebenso möglich wie Freude, Skepsis oder zunächst gar keine besondere Reaktion.
Was meint dein Satz im echten Leben?
Lies „Ich darf Unterstützung annehmen“ und frage dich, welche Situation du damit verbindest. Vielleicht fällt dir ein Telefonat ein, bei dem du ehrlich sagen könntest, dass dir etwas zu viel ist.
Diese konkrete Verbindung gibt den Worten einen persönlichen Bezug. Du brauchst dafür keine intensive Vorstellung und kein bestimmtes Körpergefühl. Wenn dir kein Beispiel einfällt, könnte der Satz noch zu allgemein sein.
Eine kleine Erinnerung statt einer perfekten Szene
Vielleicht gab es schon einen Moment, in dem du eine Frage gestellt oder eine Pause genommen hast. Erinnere dich an den tatsächlichen Ablauf, auch wenn er unspektakulär war. Wie hast du begonnen? Welche Worte hast du benutzt?
Du musst die Erinnerung nicht angenehmer machen, als sie war. Ein gemischter Moment kann zeigen, dass eine Handlung möglich war, obwohl du dich unsicher gefühlt hast. Die Unsicherheit gehört dann zur Geschichte dazu.
Lesen, beziehen, weitergehen
Wähle eine Affirmation und lies sie einmal. Ergänze anschließend: „Für mich könnte das heute heißen …“ Benenne eine kleine Alltagssituation. Lass dir kurz Zeit und bemerke, wie du auf diese Verbindung reagierst.
Vielleicht wird der Satz verständlicher. Vielleicht merkst du, dass du ihn verändern möchtest. Wenn sich nichts Besonderes einstellt, schließe die kleine Übung trotzdem ab. Es gibt kein Gefühl, das du erreichen musst.
Zum Beispiel: „Ich darf mir Zeit nehmen. Für mich könnte das heute heißen, vor meiner Zusage in den Kalender zu schauen.“ Damit hast du bereits einen konkreten Bezug hergestellt.
Wenn die Worte unangenehm werden
Starker innerer Widerspruch ist kein Beweis, dass du nur intensiver fühlen müsstest. Du kannst einen Satz kleiner machen, pausieren oder eine andere Form der Reflexion wählen.
Die Forschung zu positiven Selbstsätzen zeigt kein einheitliches Ergebnis für alle Menschen. In Experimenten von Wood und anderen (2009) fühlten sich manche Teilnehmende nach einem positiven Selbstsatz schlechter. Das ist ein Anlass, deine Reaktion ernst zu nehmen. Hier findest du die Originaluntersuchung.
Weitere Formulierungen stehen im Artikel Wenn Affirmationen sich falsch anfühlen.
Dein Impuls zum Mitnehmen
Vervollständige zu einem Satz deiner Wahl: „Für mich könnte das heute heißen …“ Eine gewöhnliche Situation reicht.
„Ich darf Worte auf mich beziehen, ohne ein bestimmtes Gefühl herstellen zu müssen.“
