„Das hast du schön gemacht.“ Eigentlich ein freundlicher Satz. Trotzdem hörst du dich vielleicht sofort antworten: „Ach, das war doch nichts.“ Oder du zählst auf, was noch nicht geklappt hat, wer dir geholfen hat und weshalb es gar kein großes Lob verdient.

Erst später fällt dir auf: Du hast das Kompliment kaum einen Moment stehen lassen. Dabei hättest du dich vielleicht gern darüber gefreut.

Ein Kompliment anzunehmen darf schlicht sein. Du brauchst keine besonders schlagfertige Antwort. Ein „Danke, das freut mich“ kann reichen, auch wenn du dich dabei noch ein bisschen verlegen fühlst.

Wenn die Relativierung schneller ist als das Danke

Vielleicht kennst du eine dieser Antworten: „Das Kleid ist schon uralt.“ „Das Essen war ganz einfach.“ „Ich hatte nur Glück.“ Du willst möglicherweise bescheiden wirken, keine Erwartungen wecken oder das Gespräch schnell wieder auf dein Gegenüber lenken.

Vielleicht siehst du selbst vor allem die kleine Stelle, die nicht so geworden ist wie geplant. Die andere Person sieht dagegen das Ganze: einen gemütlichen Abend, eine hilfreiche Erklärung oder die Mühe, die du dir gemacht hast.

Das sind zwei verschiedene Blickwinkel. Du musst deinen eigenen nicht aufgeben, um den freundlichen Blick der anderen Person für einen Moment gelten zu lassen.

„Jemand darf etwas Schönes an mir sehen, auch wenn es mir selbst gerade nicht auffällt.“

Schau beim nächsten Mal einfach hin: Was möchtest du spontan antworten? Du musst dir diesen Reflex nicht vorwerfen. Es reicht, ihn einmal zu bemerken.

Ein Danke ist kein Urteil über deinen ganzen Wert

Wenn du ein Kompliment annimmst, erklärst du dich damit nicht zum besten Menschen im Raum. Du bestätigst auch nicht, dass dir von nun an alles genauso gut gelingen wird. Du reagierst auf etwas Freundliches, das jemand gerade zu dir gesagt hat.

Vielleicht klingt es für dich stimmiger, nicht den Inhalt zu bewerten, sondern deine Freude über die Worte auszudrücken: „Danke, schön, dass du mir das sagst.“ Das lässt offen, ob du selbst schon genauso auf dich schaust.

Ein gelobtes Essen muss beim nächsten Besuch nicht übertroffen werden. Eine gelungene Präsentation verpflichtet dich nicht dazu, immer sicher aufzutreten. Dieses Lob darf zu diesem einen Moment gehören.

Wenn du deinen Wert oft daran misst, wie gut dir etwas gelingt, findest du im Beitrag „Du musst dir deinen Wert nicht verdienen“ weitere Gedanken dazu.

Vier Antworten, die du ausprobieren kannst

Such dir eine Formulierung aus, die nach dir klingt. Du brauchst diese Sätze nicht auswendig zu lernen.

„Danke, das freut mich“

Diese kurze Antwort passt zu vielen Situationen. Danach darf eine kleine Pause entstehen. Du musst sie nicht sofort mit einer Erklärung füllen.

„Danke, da habe ich mir auch Mühe gegeben“

Du darfst anerkennen, dass dir etwas wichtig war. Vielleicht hast du ein Gespräch sorgfältig vorbereitet oder lange an einer Idee gearbeitet. Deine Mühe zu erwähnen ist kein Grund, dich gleich wieder kleinzumachen.

„Schön, dass dir das aufgefallen ist“

Manchmal betrifft die Rückmeldung etwas, das sonst kaum jemand bemerkt: wie aufmerksam du zuhörst oder wie verständlich du etwas erklärst. Du kannst zeigen, dass dir diese Aufmerksamkeit etwas bedeutet.

„Ich bin gerade etwas verlegen, aber ich freue mich“

Du musst nicht so tun, als wäre das Annehmen ganz leicht. Wenn es sich passend anfühlt, darfst du deine Verlegenheit benennen. Das macht die Freude nicht weniger ehrlich.

Drei kleine Alltagssituationen

Jemand lobt etwas, an dem andere beteiligt waren

Du möchtest die Unterstützung würdigen. Das geht, ohne deinen eigenen Anteil wegzuschieben: „Danke, das freut mich. Wir haben gemeinsam daran gearbeitet.“ So haben sowohl das Kompliment als auch die anderen Beteiligten Platz.

Dir fällt sofort ein Gegenkompliment ein

Wenn du der anderen Person etwas Nettes sagen möchtest, darfst du das natürlich. Du musst ein Kompliment aber nicht im selben Augenblick zurückzahlen. Vielleicht möchtest du zuerst nur Danke sagen und die Worte ankommen lassen.

Du selbst bist mit dem Ergebnis noch nicht zufrieden

Vielleicht siehst du in deinem Bild nur die schiefe Linie, während jemand die Farben mag. Du kannst antworten: „Danke, die Farbauswahl hat mir auch Spaß gemacht.“ Du musst weder behaupten, dass alles perfekt ist, noch die gesamte Rückmeldung zurückweisen.

EIN MOMENT NUR FÜR DICH

Dein kleiner Versuch: ein Danke ohne Nachsatz

Wenn du das nächste Mal ein willkommenes Kompliment bekommst, probiere Folgendes:

  1. Lass einen kurzen Moment vergehen. Du darfst erst wahrnehmen, was gesagt wurde, bevor du antwortest.
  2. Sag einen einfachen Satz. Zum Beispiel: „Danke, das freut mich.“
  3. Lass die Antwort stehen. Versuch, für diesen Moment kein „aber“ und keine Liste deiner vermeintlichen Fehler anzuhängen.
  4. Schau später kurz zurück. Was war ungewohnt? Was möchtest du beim nächsten Mal genauso oder anders machen?

Wenn dir doch wieder eine Relativierung herausrutscht, ist nichts misslungen. Du kannst sogar noch ergänzen: „Weißt du was? Ich freue mich eigentlich darüber. Danke.“

Du darfst entscheiden, welche Worte willkommen sind

Nicht jede Bemerkung, die als Kompliment gemeint ist, fühlt sich für dich gut an. Vielleicht möchtest du keine Kommentare über deinen Körper. Vielleicht enthält ein vermeintliches Lob einen Vergleich, der dich stört: „Für dein Alter siehst du wirklich gut aus.“

Du bist nicht verpflichtet, dich darüber zu freuen oder freundlich zu bedanken. Du kannst sagen: „Ich möchte mein Aussehen gerade nicht besprechen.“ Oder: „Lass uns bitte auf den Vergleich verzichten.“

Auch aus einem angenommenen Kompliment entsteht keine Verpflichtung zu einem Treffen, einer Gefälligkeit oder mehr Nähe. Für klare Formulierungen findest du weitere Beispiele in unserem Beitrag über freundliche Grenzen.

Dein Impuls zum Mitnehmen

Denk an eine freundliche Rückmeldung, die du schnell beiseitegeschoben hast. Was genau hat die andere Person an dir oder an deinem Tun geschätzt? Vielleicht darf dieser Gedanke heute noch einmal kurz Platz bekommen.

„Ich darf freundliche Worte annehmen, ohne mich dafür kleinzumachen.“

Beim nächsten willkommenen Kompliment musst du nichts Besonderes leisten. Vielleicht genügt ein Blick, ein kleines Lächeln und dein einfaches Danke.

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