Du hast dich vorbereitet, etwas ausprobiert oder dich endlich getraut. Dann kommt die Absage. Das Gespräch verläuft anders als gedacht. Oder dein kleines Vorhaben bricht nach wenigen Tagen ab.
Vielleicht möchtest du sofort alles neu planen. Vielleicht würdest du am liebsten nie wieder anfangen. Zwischen diesen beiden Reaktionen darf ein wenig Zeit liegen. Ein Rückschlag verlangt keine sofortige Heldengeschichte.
In „Die Komfortzone erweitern“ haben wir überschaubare Versuche gesucht. Heute geht es darum, wie du auf einen Versuch zurückblicken kannst, der nicht so ausgegangen ist, wie du wolltest.
Du darfst erst einmal enttäuscht sein
Du musst nicht gleich erklären, wofür diese Erfahrung gut war. Wenn dir etwas wichtig war, darf ein unerwünschtes Ergebnis weh tun oder ärgern. Ein freundlicher Satz könnte schlicht heißen: „Ich hatte mir etwas anderes gewünscht.“
Vielleicht brauchst du einen Abend ohne weitere Entscheidungen. Vielleicht möchtest du jemandem erzählen, was passiert ist. Wähle einen Rahmen, in dem du nicht sofort Tipps entgegennehmen musst. Du kannst sagen: „Hör mir bitte erst einmal zu. Über Lösungen möchte ich später nachdenken.“
Trenne das Ereignis von dem Urteil über dich
„Meine Bewerbung wurde abgelehnt“ beschreibt ein Ereignis. „Ich bin zu nichts gut“ macht daraus ein Urteil über deine ganze Person. Das zweite klingt im ersten Moment vielleicht überzeugend, sagt aber viel mehr, als dieses eine Ergebnis hergibt.
Schreibe möglichst genau auf, was du weißt: Was hast du getan? Welche Rückmeldung gab es tatsächlich? Was vermutest du nur? Wenn kein Grund genannt wurde, musst du die Lücke nicht mit dem härtesten denkbaren Urteil füllen.
Das bedeutet nicht, Fehler zu übersehen. Falls du etwas versäumt hast, kannst du es konkret benennen: „Ich habe eine Rückfrage zu spät gestellt.“ Daraus lässt sich eher ein nächster Schritt entwickeln als aus „Ich mache immer alles falsch“.
Was liegt jetzt in deinem Einfluss?
Du kannst eine vergangene Antwort nicht zurücknehmen. Vielleicht kannst du aber um eine Rückmeldung bitten, Unterlagen überarbeiten oder mit jemandem üben. Auch eine Pause ist eine Entscheidung über das, was jetzt möglich ist.
Hilfreich sind zwei kurze Spalten: „Das kann ich verändern“ und „Das liegt nicht bei mir“. In der ersten stehen Handlungen. In der zweiten vielleicht die Entscheidung einer anderen Person oder ein bereits verstrichener Termin.
Du musst nicht gegen alles zugleich anarbeiten. Such in der ersten Spalte eine Sache aus, die für deinen nächsten Versuch tatsächlich einen Unterschied machen könnte.
Ein neuer Anfang in vier Fragen
- Was ist passiert? Beschreibe es in einem möglichst sachlichen Satz.
- Ist mir das Vorhaben weiterhin wichtig? Du darfst mit Ja, Nein oder Noch nicht klar antworten.
- Was möchte ich verändern? Wähle einen konkreten Teil des Vorgehens.
- Was ist mein nächster überschaubarer Schritt? Benenne eine Handlung und einen realistischen Zeitpunkt.
Zum Beispiel: „Mein erster Kursversuch hat mir nicht gefallen. Malen interessiert mich weiterhin. Die große Gruppe war mir zu viel. Am Samstag suche ich nach einem kleineren offenen Angebot.“
Ein neuer Anfang kann also anders aussehen als der erste. Du musst nicht beweisen, dass du exakt denselben Weg doch noch schaffst.
Dranbleiben heißt nicht, alles unverändert zu wiederholen
Manchmal ist ein weiterer Versuch passend. Manchmal brauchst du mehr Informationen, Unterstützung oder einen anderen Rahmen. Vielleicht stellst du auch fest, dass das Ziel nicht mehr deins ist. Ein Rückblick darf all diese Antworten zulassen.
Miss den nächsten Schritt daran, ob du ihn tatsächlich gehen kannst. „Ich kläre eine offene Frage“ ist überprüfbar. „Ich werde nie wieder scheitern“ ist kein fairer Auftrag an dich.
Wenn du wieder beginnst, musst du dich dabei noch nicht sicher fühlen. Genau darum ging es in „Mut beginnt nicht erst, wenn die Zweifel aufhören“. Ein kleiner Versuch darf mit Unsicherheit stattfinden und trotzdem gut vorbereitet sein.
Drei Sätze für dich
- Ein einzelnes Ergebnis beschreibt nicht meinen ganzen Wert.
- Ich darf mein Vorgehen verändern.
- Mein nächster Schritt muss nicht den ganzen Weg lösen.
Nach einer Enttäuschung brauchst du keinen Durchhaltespruch. Nimm den Gedanken mit, der dir Raum für deinen nächsten Versuch lässt.
Dein Impuls zum Mitnehmen
Wähle ein Vorhaben, das dir weiterhin wichtig ist. Was wäre jetzt eine einzelne Handlung, die du ohne großes Versprechen an dich selbst ausprobieren könntest?
„Ich darf nach einer Enttäuschung neu wählen, wie ich weitergehe.“
